Ton [2] – Caspian

Postrock ist tot. Es lebe der Postrock! Genau das dachte ich, als ich zum ersten Mal Dust & Diquiet hörte, die neue Platte von Caspian. Keine flirrenden Gitarren-Crescendi, keine ewig dahinmäandernde Zwanzigminüter, die Kunst sein wollen und Langweile heißen, stattdessen: ein treibendes Schlagzeug, an Post Metal erinnernde Riffs (Arcs of Command, Echos and Abyss), ein schön schauriges Cello und wimmernde Saiten (Ríoseco), treibende Percussion-Beats (Darkfield). Aber das überraschendste ist der dem Postrock so fremde Gesang: In Echos and Abyss noch hinter den Gitarrenwänden verborgen, tritt er in Run Dry in den Vordergrund: Neben der Akustikgitarre ist die Stimme die einzige Ingredienz dieses gleichsam berührenden und berührten Songs.

Vor den Aufnahmen zu Dust & Disquiet verstarb eines der Gründungsmitglieder der Band mit nur 33 Jahren. Dies ist auf der Platte zu hören: Caspian stemmen sich gegen die Dämonen, sie singen und spielen gegen Trauer, Wut und Verzweiflung, die so ein Ereignis hervorrufen. Und mit den letzten Klängen von Dust & Diquiet bleibt dann auch ein vages Gefühl der Hoffnung zurück. Caspian setzen dem ermüdend sich wiederholenden Postrock-Genre ein emotionales Ausrufezeichen entgegen!