14. März 2019 Dikson

Seit Januar schreibe ich an meinem neuen Roman „Dikson“. Das ist, grob zusammengefasst, die Geschichte:

Im Herbst 1919 liegt Roald Amundsens Forschungsschiff Maud seit fast einem Jahr im Packeis vor der Taimyrhalbinsel im Norden Sibiriens. Im November schickt er zwei Männer auf die eintausend Kilometer lange Reise zur russischen Wetterstation Dikson: Mit einem Schlitten, fünf Hunden und ausreichend Proviant machen sich Peter Tessem und Paul Knutsen auf den Weg. Als es Amundsen im Jahr darauf endlich gelingt, ein Telegramm nach Norwegen zu schicken und er sich nach dem Wohlbefinden der beiden erkundigt, wird klar, dass es zu einem Unglück gekommen sein muss: Tessem und Knutsen haben Dikson nie erreicht.
Eine Gruppe um den Trapper Nikofor Begichev begibt sich auf die Suche nach den Vermissten und stößt bei ihrer Reise entlang der Küste auf Spuren – widersprüchlich und dennoch Hoffnungen weckend. Leben sie noch, konnten sie sich möglicherweise retten? Die Spuren erzählen die Geschichte von Tessem und Knutsen, die, von Migräneanfällen heimgesucht, sich mehr und mehr mißtrauend, durch die arktische Polarnacht irren. Auch Liv Tessem hofft auf Nachrichten, erinnert sich, will schließlich nur noch vergessen.
Dikson wird zum leuchtenden Ort der Hoffnung und Verheißung – ein Ort, der fern allen Elends den Tod bannt und den Traum an eine friedvolle Zukunft jenseits der eisigen Küsten nährt.

Aber ich schreibe nicht nur, ich beobachte mich auch dabei, schreibe über das Schreiben. Auf der Website zu Dikson verfolge ich in unregelmäßigen Abständen dieses Vorhaben, eine Art Werk-Tagebuch, das am Ende von der Genese der Romans erzählen soll, in Text, Bild und Ton. Der letzte Eintrag ist vom 10. März:

Die Geschichte, die ich in „Dikson“ erzähle, handelt von Existentiellem, es geht darum, in einer lebensfeindlichen Umgebung am Leben zu bleiben, nicht den Verstand zu verlieren, es geht darum, ein letztes Flämmchen Menschlichkeit in sich zu bewahren.
Und trotzdem, oder gerade deswegen, sind es auch die kleinen Alltäglichkeiten, von denen ich erzählen will: Davon, sich bei – 20 Grad Celsius die Zähne zu putzen, pinkeln zu müssen (der Harndrang ist bei diesen Temperaturen eher vermindert), Socken zu stopfen, zu masturbieren, dem Herunterbrennen einer Kerze zuzusehen; Dinge, die Menschen eben tun, weil sie dazugehören.

Zum Weiterlesen: Dikson, Roman aus dem Eis.