16. April 2018 Stromland

Der Kapokbaum (Ceiba pentandra) gehört zu den mächtigsten Bäumen des peruanischen Amazonastieflands. In seiner Jugend ist er mit spitzen, kegelfärmigen Stacheln bedeckt, im Alter wird er von Brettwurzeln gestützt. Mit einer Höhe von 75 Metern und mehr gehört er zu den höchsten Bäumen des tropischen Regenwalds.

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Frucht des Kapokbaumes – Wikimedia Commons

Neben seiner eindrucksvollen Erscheinung war für mich vor allem die mythologische Bedeutung des Kapoks von Interesse. Bei den Einheimischen heißt er Lupuna und zahlreiche Geschichten ranken sich um ihn. So zum Beispiel die Erzählung einer Frau, die, auf dem Heimweg in ihr Dorf, an einen Lupuna urinierte und am Abend schlimme Magenkrämpfe bekam. Der Schamane des Dorfes befragte sie und fand schnell heraus, dass sie den Baum gekrängt hatte und er nun in den Wald müsse, um ihn in ihrem Namen zu besänftigen. Er ging, suchte nach einem beleidigten Lupuna, fand ihn und hielt über Nacht eine Ritual ab, kehrte am Morgen mit etwas Saft des Baumes zur Frau zurück, den sie trank und gesundete.

Der Lupuna gilt als Axis Mundi, als Weltenbaum. Kleine Wichte leben in seinem Inneren und tanzen um ihn herum. Er ist der Übergang zur Welt der Toten, bewacht von einer Schlange und einem Rochen.

Im Roman ist ein alter Kapokbaum der heimliche Mittelpunkt der Wilhelmi-Plantage, ein uralter, mächtiger Bewohner, der verehrt und gemieden wird, einer, der die Zeiten überdauert hat und noch stehen wird, wenn der Wald längst wieder über die verfallenen Ruinen der Menschen wuchert.