11. März 2018 Stromland

Florian Baucke war ein deutscher Jesuit, der ab dem Jahr 1751 in Paraguay als Missionar tätig war und nach seiner Rückkehr 1768 darüber schrieb und zeichnete. Seine Aufzeichnungen dienten mir als Recherche-Material für die Sommervogel-Kapitel.

Mit Tränen im Auge flüsterte er mir zu: „Haben Sie Mut und Genügsamkeit!“ Ich sah bald, daß ich beides nötig hatte. Unser erster Gang war in das ärmliche Gotteshaus, der zweite in meine Wohnung. „Mut!“ sagte ich zu mir, als ich diese elende Hütte betrat, wenn ich anders ein mit Tierhäuten umzogenes und ebenso gedecktes Viereck so nennen darf. Von gleicher Bauart war die Küche, nur daß ihr Dach von Stroh war. In der Nähe der Schule hingen zwei Glöckchen an einem Querbalken.

Sie [die Kirche] bot nicht mehr Raum als eine Scheune. Der Altar bestand aus einer Lage von Ziegeln; darauf stand ein Kruzifix; eine Kerze zur Rechten und eine zur Linken staken in Qchsenhörnern, die mit Sand gefüllt waren. Ich machte einen Altar aus Leder, spannte Häute auf dicke Holzrahmen, schabte die Haare weg, schnitt Figuren darein, welchen ich gefärbtes Papier unterlegte; die Haut überzog ich mit Leimwasser, überstreute sie mit Glasglanz und richtete dann diesen neuen Altar auf, bei dessen Anblick meine Indianer vor Freude aufjubelten.

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Honigernte in einer Jesuitenreduktion – Wikimedia Commons

Die größte Sorge verwandte ich darauf, möglichst bald ihre Sprache zu erlernen. Aber nirgends fand ich die gehörige Ruhe dazu, denn mein ledernes Haus wimmelte von ungebetenen Gästen, die keine kleine Plage in diesem Lande sind. Die Indianer wohnen nämlich in niedrigen Strohhütten, in denen sie nicht ausrecht stehen können. Sie halten eine Unzahl Hunde und Hühner, die ohne Scheu herumliefen und auch meinen Aufenthaltsort durchstöberten. Gerne machten es sich die Hunde im Schatten meines Bettes bequem. Ihr Anblick war mir ekelerregend, weil sie häufig in der Asche liegen und infolgedessen räudig werden. Die Hühner störten mich oft beim Schreiben und waren durch nichts zu vertreiben. Die Häute, die mir als Wände dienen mußten, trieften bei nasser Witterung; kam trockenes Wetter, dann schrumpften sie ein, zogen einige Pflöcke mit in die Höhe und eröffneten so meinen unwillkommenen Besuchern von allen Seiten den Eingang. Nachts rettete sich das Hornvieh vor den Mücken im Walde in unser Dorf, wurde aber hier von ihnen nicht viel minder gequält, wie mich ihr Brüllen schließen ließ. Mich belästigten die Mücken ebensosehr, und noch mehr die größeren geflügelten Insekten, die um das Licht herumsurrten und in die Schüsseln flatterten. Nicht selten nahm der stinkende Sorillo seinen Weg zu mir und wurde von Nattern und Schlangen, einer sehr häufigen Plage dieser sumpfigen Gegend, abgelöst. In später Nacht oder um 3 Uhr des Morgens stampften die Weiber die Frucht des Johannisbrotbaumes, um aus dessen Mehl ein berauschendes Getränke zu bereiten.

P. Florian Baucke: Ein deutscher Missionär in Paraguay. de.wikisource.org